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Dieter Roth im Schaulager


Im Schaulager befinden sich einige bedeutende Werke von Dieter Roth. Dazu gehören die aus 128 Monitoren in Regalgestellen bestehende Videoinstallation Solo Szenen (1997–1998), das aus unzähligen Objekten zusammengefügte Ringgebilde (1986–1993) sowie Das Meer (1970), eine Material-Assemblage aus geschichteten Schokoladentafeln und beschrifteten Papierzetteln.

Solo Szenen (1997–1998)

Dieter Roth, Solo Szenen, 1997–1998, 128 Videomonitore mit Abspielgeräten, 3 Holzgestelle, 128 VHS-Videobänder, 2 Ablagen, ca. 1200 × 210 × 45 cm insgesamt, Emanuel Hoffmann-Stiftung, Geschenk der Präsidentin 2023, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, photo: Tom Bisig, Basel, © Dieter Roth Estate

Nicht weniger als 128 Monitore füllen drei Regale in Gestellen, die wie überdimensionierte Wohnwände wirken. Die TV-Geräte mit integrierten VHS-Playern zeigen weder die Tagesschau noch Soaps, sondern geben intime Einblicke in Dieter Roths alltägliche Verrichtungen: Man sieht den Künstler beim Lesen und im Schlaf, untätig am Schreibtisch sitzend, schreibend, nackt unter der Dusche, auf der Toilette. Zeitsparend – so Roths pragmatische Argumentation – dokumentiert diese kaleidoskopische Selbstüberwachung das «täglich stattfindende «Gelebe» des alternden Künstlers. Solo Szenen sollte Roths Vermächtnis werden; er starb im Juni 1998, noch vor der ersten Präsentation des Werks an der Biennale in Venedig.

Die Auseinandersetzung mit dem Selbst, dem eigenen Ich und seinem Altern begleitete das Schaffen des Universalkünstlers schon früh. P.O.TH.A.A.VFB. (1968) ist nur ein Beleg dafür: Roth war 38, als er sich mit dem Portrait of the Artist as Vogelfutterbüste – einem aus Milchschokolade und Vogelfutter gegossenen Objekt – in 30 Exemplaren als gealterter Mann dem allmählichen Zerfall aussetzte. Der Titel des Werks, das er verschiedentlich variieren sollte, ist eine Anspielung auf James Joyces Roman Portrait of the Artist as a Young Man, den Roth als verkitscht empfand. Auf Künstlichkeit und Theatralik reagierte er geradezu allergisch: So war ein Impuls für Solo Szenen auch Roths Aversion gegen die schauspielerischen Darbietungen im TV-Programm. Dem oft schlaflos im Bett liegenden, rastlos tätigen, häufig fernsehenden Künstler gingen diese so auf die Nerven, dass er mit den ungeschönten Aufzeichnungen seines gewöhnlichen Alltags einen Gegenentwurf startete zur artifiziellen Fernsehwirklichkeit. Die Szenen zeichnen allerdings mehr als Roths eigenen Entzug von Fernsehkonsum auf: Nach einer schweren, von Alkohol und Depressionen geprägten Periode hatte er gerade wieder eine Verfassung gefunden, die ihm erlaubte, sich auf ein Vorhaben zu konzentrieren. Diese fragile Phase musste er allein, «solo», durchleben. Solo Szenen kann als eine Fortsetzung von A Diary (1982) gesehen werden, Roths erstem Beitrag zur Biennale von Venedig: Auch dies eine Aneinanderreihung von Filmen, mit denen er die Erwartungen des Kunstpublikums an den immer schöpferischen Künstler unterwanderte.

Die Solo Szenen sind in Island, in Hamburg und Basel entstanden. Das Land hoch im Norden war Roths «Heimathafen» geblieben, nachdem er als junger Mann der Liebe wegen dorthin gezogen und eine Familie gegründet hatte. Seinen Enkeln wollte er ein vitaler und vor allem nüchterner Grossvater sein, in Island fand er Ruhe und Ausgleich. Der 1930 in Hannover geborene Künstler war zeit seines Lebens nomadisch unterwegs; als 14-Jähriger war er während des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz zu einer Pflegefamilie gekommen, danach gelangte er über Dänemark nach Island. Nach mehreren Aufenthalten in den USA hatte er sich in verschiedenen Städten – u.a. in Wien, Hamburg, Stuttgart – Arbeitsstätten eingerichtet, in denen er zum Teil auch wohnte. Allein in Basel hatte er drei Ateliers; in einem vierten Raum, neben dem Kunstmuseum Basel | Gegenwart, ist seit 1990 Selbstturm; Löwenturm eingerichtet: Die monumentale Installation aus zwei hoch aufragenden Türmen aus Schokoladen- und Zuckergussbüsten hat ihren Ursprung in P.O.TH.A.A.VFB. Selbstturm; Löwenturm war als «work in progress» in die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung gekommen; genauso wie Solo Szenen kam ihr einst fortlaufendes Werden nach dem Tod des Künstlers zum Stillstand.



Ringgebilde (1986–1993)

In der Unübersichtlichkeit von Dieter Roths Ringgebilde (1986–1993) verliert wohl jeder Blick rasch seine souveräne Haltung: ein schieres Dickicht an chaotisch zusammengeballten und ineinander verhedderten Alltagsgegenständen türmt sich empor in einer ringförmig angelegten Konstruktion. Neben Haushaltsgeräten, Musikinstrumenten, ausrangiertem Kinderspielzeug, zerrauchten Zigaretten, zahlreichen Eimern mit teils akkurat nach Farben sortierten Stiften, Malutensilien, Stühlen, Teppichen, Socken, Kleidern, Kitteln sowie Tuben oder Töpfen mit Leimstoffen der Marken Cementit oder Ponal finden sich dort auch allerlei funktionsfähige elektrische Gerätschaften wie Staubsauger, Kassettenrekorder, DVD-Player, Verstärker, Lautsprecher, Videoabspielgeräte oder Monitore.

Gewährleistet wird die fragile Stabilität dieses häuslichen Sammelsuriums durch ein undurchschaubares Netz von Schnüren, Ketten, Kabeln, vernagelten oder verschraubten Holzleisten und Metallrohren. Sie halten das Objekt in einer kaum nachvollziehbaren Balance zusammen. Platziert ist es auf vier Hunden – niedrigen, fahrbaren Transportwagen –, wodurch das Ungetüm im Raum verschoben werden kann. Das Ausloten von Halt und Haltlosigkeit, das er immer wieder bis an neue Grenzen oder darüber hinaus trieb, war zeitlebens ein wichtiger Motor für Dieter Roths Schaffen.

Einige Gegenstände im Ringgebilde scheinen als Erinnerungspuren in die Zeit von Dieter Roths Kindheit angelegt. Das Akkordeon etwa: 1941 wurde ihm von einer Gastfamilie in der Schweiz, wohin er während des Zweiten Weltkrieges zu seiner Sicherheit aus Hannover gebracht worden war, ein solches Instrument geschenkt. Die meisten Objekte jedoch lassen den unmittelbaren Moment des Erschaffens dieser Arbeit erahnen, die als mehrjähriger Work-in-Progress im Atelier in Kollaboration mit seinem Sohn Björn Roth, Gisli Jóhannsson, Pétur Kristjánsson oder anderen entstand.

Es sind aber nicht nur diese Undurchschaubarkeiten im Dickicht des Ringgebilde, die jede abgesicherte Perspektive unterlaufen. Auch das Ohr ist adressiert, wenn mitunter die in der Arbeit verbauten Staubsauger, der Monitor oder die Musikanlage eingeschaltet werden und das Objekt je nachdem zu dröhnen beginnt oder Musik erklingt. Unter anderem ist das Stück All of me in einer Version von Billie Holiday zu hören. Holiday, eine der grössten, aber auch tragischsten Jazzpersönlichkeiten aller Zeiten – sie starb mit bloss 44 Jahren an Leberzirrhose, mittellos, von Drogen zerstört und von Polizisten bewacht –, hatte diesen Jazz-Swing-Standard mit ihrem unverwechselbaren Stil zu einem unvergesslichen Klassiker gemacht. Zur affektiven Wirkung ihres Gesangs merkte sie einmal an: «Ich habe diese Songs gelebt» – eine Parallele zu Dieter Roths eigener Lebens-Aufgabe im Werkschaffen.

Unweigerlich fühlt man sich durch diese manchmal säuselnde, manchmal monoton-laute Soundkulisse in die arbeitsame Atmosphäre eines Künstlerateliers versetzt; es stellt sich eine eigentümliche Erfahrung von Präsenz und Zeitvergessenheit ein, die zu suggerieren scheint, dass Dieter Roth jederzeit wiederkehren könnte, um hier oder da beiläufig am Ringgebilde weiter zu werken.

Im Oeuvre von Dieter Roth war das Ringgebilde nur eine von vielen gigantischen, sich ständig ausweitenden und über längere Zeiträume verändernden Materialassemblagen. In seinen verschiedenen Ateliers in der Schweiz, Deutschland oder Island – sie waren für ihn zugleich immer auch Kunst-, Schutz-, und Lebensraum – entstanden ab den 1970er-Jahren in zunehmendem Mass höchst materialintensive, von Zuständen der Unordnung und Überfülle geprägte Werke: ikonische Arbeiten wie Flacher Abfall (1975–1976), Gartenskulptur (1970–1998) oder Selbstturm; Löwenturm (1969/1970–1998). In all diesen Arbeiten durchspielte Dieter Roth unerbittlich und zugleich selbstironisch die entropischen Katastrophen seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Selbst, Identität und Nicht-Identität.

Dergestalt, sich fallenlassend in die akkumulative Bodenlosigkeit des alltäglich Rituellen und Realen, reiht sich das Ringgebilde in eine Vielzahl von Arbeiten ein, die Dieter Roths endlose Parabel bezeugen: Die Dynamik eines allmählichen Verfertigens von Kunst im Leben oder von Leben in der Kunst. Hier gilt alles gleichermassen gleichwertig; alles kann sisyphusartig aus der Sphäre eines täglichen Hamsterrades aufgesogen und zu Künstlerischem umgewertet werden und umgekehrt. Jede Unterscheidung zwischen Leben und Kunst wird bei Roth obsolet.

Das Ringgebilde wurde 1992 in einer grossen Ausstellung von Dieter Roth in Holderbank sowie 1995 in der Wiener Sezession gezeigt. Die beiden Ausstellungen zählen zu den bedeutendsten Präsentationen seines Schaffens zu Lebzeiten. Das Werk war ebenfalls Teil der posthum ausgerichteten Retrospektive Roth-Zeit, mit der das Schaulager 2003 eröffnet wurde.


Das Meer (1970)

Das Meer, 1. Teil

Rätselhafte Wendungen wie «Verrauchen in einem HAUFEN RAUCH» oder «der HAMMEL, DER IHM die KOTELLETEN» sind auf den unzähligen schmalen Papierstreifen in Maschinenschrift zu lesen, die aus der aus Schokoladentäfelchen stufenförmig aufgestapelten Plastik hervorquellen. Der Titel der Plastik, Das Meer, 1. Teil (1968) löst unweigerlich die Assoziation einer sich bis zu ihrer Kapitulation auftürmenden Meereswelle aus. Ihre Gestalt evoziert obendrein das Bild einer ratternden, nimmersatten Schreibmaschine, die ohne Unterlass Texte prozessiert, ohne sie jemals in einer Ordnung festsetzen und festhalten zu können. Format, Materialität und die sprachlichen Einschlüsse erzeugen Bilder, die eine Ahnung von den Verfahren des Prozessualen und des rhizomatischen Verzweigens und Versprengens vermitteln, wie sie typisch sind für Dieter Roths alle Grenzen überbordendes Schaffen. Das titelbestimmende Wort «Meer», das phonetisch auch als «mehr» verstanden werden kann, taucht ein paar Jahre später denn auch symptomatisch im Zyklus Tränenmeer (1971–1979) wieder auf, einem literarischen Projekt, das auf Sätzen beruht wie «Ausgeweint ist ausgeschlafen», die er 1971/1972 als Kleininserate im Luzerner Stadtanzeiger veröffentlichte. Für die Produktion der Plastik hatte Roth die von ihm im März 1968 eigens für die Basler Cembalistin und Sammlerin Antoinette Vischer geschriebene, von dieser aber nicht beachtete Novelle «ein RAUCHER, das GERUMPEL ... » in Streifen geschnitten. Zusammen mit dem Material Schokolade diente das Gedicht als Ausgangsmaterial für die Skulptur.

Mit dieser hybriden Paarung von Lebensmittel und Text knüpfte Roth an seine frühere Künstlerbuchproduktion an, wie er sie seit 1961 mit der Herstellung seiner Literaturwürste pflegte. Für Letztere hatte Roth in einer Art ironischer Textkritik Bücher von Günter Grass, Max Frisch, Martin Walser, Heinrich Böll, aber auch Magazine wie den Spiegel oder den Daily Mirror zu kleinen Papierschnipseln zerhäckselt und dann nach Wurstrezepten – beispielsweise für «Mexikanische Kleinschweinwurst» oder «Italienische Pfefferwurst» – mit Fett, Gelatine und Gewürzen verwurstet. Das Meer, 1. Teil vereint Roths eigenständige Weiterführung von Verfahren der Konkreten Poesie und der pataphysisch inspirierten Gruppe Oulipo (UOuvroir de Litterature Potentielle) mit der Zeitlichkeit und dem materiellen Zerfall seiner späteren Arbeiten. Neben dem Werk in der Sammlung existieren drei weitere, aus Literatur und Schokolade gefertigte, an Wellen erinnernde Fassungen – Das Meer (1968), Die Geschichte (Das Geschichtete) (1968) und Schokoladenmeer (1970).



Dieter Roth (*1930 Hannover, Deutschland, †1998 Basel, Schweiz) wurde 1943, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, von Hannover nach Zürich in eine Gastfamilie geschickt. Nach einer Grafikerlehre in Bern (1947–1951) wanderte er 1957 nach Island aus, wo er heiratete und eine Familie gründete. Roth war Zeit seines Lebens rastlos: Nicht nur arbeitete er intensiv in unterschiedlichen Medien – er malte, schrieb, druckte, fotografierte, zeichnete, dichtete, fertigte Skulpturen, Multiples und Schmuck, ging künstlerische Kollaborationen ein und machte Musik –, sondern auch in verschiedenen Ländern. Ab 1960 reiste er zum Arbeiten und Ausstellen in die USA (u.a. Philadelphia, Providence und New York) und nach Europa (u.a. Stuttgart, Wien, London, Basel, Hamburg); seit den 1980er-Jahren war die Schweiz sein bevorzugter Aufenthaltsort. Immer aber zog er sich nach einiger Zeit wieder zu seiner Familie und seinen Arbeitsorten nach Island zurück.

Dieter Roth in Providence, Rhode Island, ca. 1965.
Photo: Lisa Redling

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